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heifischblog

aka heifisch.blog.de

die andere

Plötzlich geht nichts mehr. Die Welt versinkt hinter einem grauen Schleier. Die Stimmen sind da und dann auch wieder nicht da. Sie fühlt, dass es gleich nicht mehr gehen wird. Die Welt will einfach zu viel. Und sie kann im Moment nichts geben. Kein Wort, keine Tat, keine Geste. Die Müdigkeit ist übermächtig und zerrt und zerrt.

In der S-Bahn heute morgen hat sie geweint. Kontrolliert natürlich, so dass es aussah, als wäre die Kälte schuld. Da waren diese beiden Musiker. Erst dachte sie „oh Gott, bitte nicht, ich brauche meine Ruhe“. Dann spielten sie los und das Lied war so voller Fröhlichkeit, so lebendig, dass ihr für einen Moment klar wurde, wie es sein sollte. Wie es früher gewesen war. Aber das ist lange her. Die Trompete und der Rhythmus schnitten ihr mitten ins Herz, mitten durch den Panzer, die Schutzhülle. Mitten ins Bewusstsein: So sollte es sich eigentlich anfühlen. So ist es, wenn man fühlt.

Der Gegensatz zum Jetzt hat sie dann umgehauen. Ihr Körper hat ihr verboten, so weiterzumachen und hat sie gezwungen zu kapitulieren. Drei Tage lang fast nur schlafen.

Am dritten Tag ist die Welt wieder da. Allerdings nur stückchenweise. Immer wieder sperrt sich der Geist und sagt: Bleib hier sitzen. Denk an nichts. Tue nichts. Organisiere nichts. Plane nichts. Sorge dich um nichts. Sei einfach hier.

Sie ruft niemanden an. Sie wartet einfach, dass es wieder vorbei geht. Es geht ja immer vorbei. Irgendwann krempelt sie die Ärmel hoch und ist dann wieder die andere, die die alle kennen.

Angst vor Weihnachten

Dies trifft nicht auf mich, sondern auf meinen Hausherrn zu. Er verfällt spätestens am zweiten Advent in Schockstarre und murmelt dann ununterbrochen „ich hasse Weihnachten, ich hasse Weihnachten…“ vor sich hin. Das liegt daran, dass er nie weiß, was er schenken soll und das Thema aber stetig vor sich herschiebt, bis es zu spät ist.

In der Vergangenheit habe ich so schon sehr interessante Geschenke erhalten. Z.B. ein zerknittertes Zeitungsknäuel, das sich beim Auspacken als selbst gemalter Gutschein für „das blaue Wunder“ entpuppte. Am Weihnachtstag von ihm schnell selbst gemalt und „verpackt“. Die Reise nach Dresden war echt schön!

Oder ein weiterer Gutschein (diesmal „mündlich“ verpackt) für eine Reise nach Breslau über ein langes Wochenende des polnischen Nationalfeiertags (1. Mai). Als wir ankamen, eröffnete mir der Hausherr, er habe keinerlei Hotelbuchungen gemacht – das wäre doch garantiert kein Problem. Meine Stimmung machte einen ziemlichen Hüpfer nach unten, da ich wusste, wie schwierig solche spontanen Wochenenden sein können. Wir haben dann aber tatsächlich trotz der hoffnungslosen Lage mit viiiiieeeel Glück ein Zimmer bekommen. Wir mussten nur einmal die Etage wechseln.

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Wenn ein Konflikt im Raum steht

Eine Wohnung. Altbau mit langen Gängen und Wänden so hoch, dass sich die Spinnweben oben nicht erreichen lassen. Ich darin mit Urlaub und Vorfreude auf ein ruhiges Weihnachten. Der Baum steht schon geschmückt im Gang.

Da plötzlich diese Stimme. Ich blinzele und sehe eine schlanke Frau mit unschuldig wirkenden Löckchen und einem ins Gesicht gemeißelten Lächeln. Sie steht in meiner Küche. Schwarze Kleidung, weite Strickjacke. Neben ihr Flaschen mit Gemüsesäften und Vitaminpillen. Mit besorgt klingendem Zungenschlag setzt sie an: „Jetzt im Winter sollte jeder mehr auf seine Gesundheit achten. Also ich trinke ja immer ganz viele Gemüsesäfte. Solltest du auch mal machen.“  Ihr Lächeln wird noch süßlicher: „Wie geht es dir? Ich habe ganz feine Antennen dafür, wenn ein Konflikt im Raum steht.“

Besser hätte sie es nicht ausdrücken können: Da stand tatsächlich ein Konflikt im Raum. Und zwar genau in meiner Küche. In meiner Wohnung, in der ich sicher nicht mit dieser Frau auch noch Weihnachten verbringen wollte. Wie verdammt noch mal ist sie überhaupt hierher geraten? Ich habe niemandem die Tür geöffnet. Wenn ich es recht überlegte, stimmte hier sowieso etwas nicht. Eigentlich war das auch gar nicht meine Wohnung. Ich lebe schon lange nicht mehr in einer Altbauwohnung, sondern in einem Neubau mit Fußbodenheizung und habe niedrige Decken, bei denen ich die Spinnweben quasi selbst mit der Hand runterfegen kann.

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huch, ich bin ja auf 32-Stunden

Seit dem 1. Dezember arbeite ich wieder 40 Stunden nach einem Jahr Reduzierung auf 32. Interessanterweise konnte ich in dem letzten Jahr nicht feststellen, dass mir das in irgendeiner Form mehr Lebensqualität gebracht hätte. Stattdessen war ich konstant gestresst, da meine Aufgaben sich nicht spontan in Luft aufgelöst hatten und ich unter dem Druck litt, nicht alles zu schaffen bzw. alles immer extrem durchgetaktet erledigen musste.

Dann ist mir bzw. meiner Führungskraft der Betriebsrat aufs Dach gestiegen, weil ich die Obergrenze an erlaubten Überstunden erreicht hatte. Ich musste einen Plan aufstellen, wie ich innerhalb von vier Monaten wieder ins Soll komme und dann auch des Öfteren Freizeitausgleich nehmen. Das wiederum hatte was, wenn ich freitags ausschlafen konnte und dann drei Tage hintereinander nicht ins Büro gehen musste.

Nun wurde ich darauf hingewiesen, dass die Reduzierung ausläuft und ich war der festen Überzeugung, ich müsste ab 1.12. wieder voll arbeiten. Zwar bekam ich ständig Warnungen aus unserem Stundenbuchungstool, ich hätte 125% meiner Arbeitszeit erbracht, aber ich dachte, dass würde dann schon von der Personalabteilung korrigiert.

Bis heute. Da erfuhr ich, dass ich noch bis Ende des Jahres auf 32 Stunden bin. Sehr schöne Überraschung, denn ich bin mit meinen Überstunden in diesem Monat dadurch schon fast wieder auf dem alten Level….. Trotzdem freue ich mich, denn da kann ich die letzten Tage des Jahres tatsächlich deutlich entspannter angehen.

lernen zu sprechen

Ich bin zwar von Beruf Kommunikatorin, habe aber dennoch seit zwanzig Jahren meinen Schwerpunkt auf der schriftlichen Kommunikation. Geben Sie mir ein paar grobe Stichpunkte zu dem, was Sie rüberbringen wollen und ich schreibe Ihnen einen zusammenhängenden Artikel dazu oder schäle Haupt- und Nebenbotschaften heraus. Ja, das ist schon mal was.

Wie sieht es aber aus, wenn das Ganze nun in mündlicher Form geschehen soll? Mein Hirn ist darauf trainiert, Dinge möglichst auf den Punkt und in strukturierter Form aufzubereiten. Das treibt meinen Hausherrn manchmal in den Wahnsinn, da er eher zu der Spezies „vom Hölzchen zum Stöckchen“ gehört und ich ihn immer unterbreche. „Was ist die Botschaft??? Was willst du sagen???“ muss er dann hören, während ich unruhig auf die Tischplatte trommele. Er ist noch ganz damit beschäftigt, mir alle Zusammenhänge zu erklären, „damit ich mir ein Bild machen kann“, während ich eigentlich nur auf der Suche nach der eigentlichen Information bin.

Wenn ich mich einmal umschaue, glaube ich jedoch, dass die meisten Menschen beim Zuhören lieber erst ein Bild hätten, bevor sie bereit sind, auch die Information aufnehmen. Meine eigene Ungeduld schiebe ich mal auf eine gewisse „déformation professionelle“, die meinen Blick für die Botschaft so geschärft hat, dass ich sie immer gleich haben möchte.

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Machomacho Man

Wie ich hier so sitze und Artikel über angefeindete Frauenhäuser oder Burkaträgerinnen lese, muss ich gerade an etwas aus meiner Berufsanfängerinnenzeit denken.

Damals war ich gerade aus dem Ausland zurück nach Berlin gekommen und hatte mir eine ordentliche Ausbildung als Wirtschaftskorrespondentin besorgt. Ich arbeitete in einem kleinen deutsch-englischen Ingenieurbüro und saß meinem nach Schweiß stinkenden Chef gegenüber. Er gehörte zur Spezies „ich habe zwar eine Glatze, aber ich tue einfach so, als wüsste ich von nichts und kämme mir meine Haare drüber“. Auch mochte er Pullunder, die er immer dann wechselte, wenn mehrere Tage vergangen waren und sich der Spaghettifleck nicht mehr verbergen ließ. Er war für den Job extra nach Berlin gekommen, während seine Familie unten bei Stuttgart lebte.

Als ich nach 1,5 Jahren kündigte, lud mich mein Chef zu einem kleinen „Abschiedsabendessen“ ins Blockhaus Nikolskoe ein. Da ich das als eine nette Geste empfand, nahm ich an und verdreht nur innerlich die Augen angesichts des zu erwartenden todlangweiligen Abends. Irgendwie ging er aber dann doch zuende und wir liefen zurück zu seinem Wagen auf dem Parkplatz. Vom Blockhaus hat man einen schönen Blick über die Havel und sogar zur Pfaueninsel. Der Chef verlangsamte daher seine Schritte, um mich auf die Schönheit hinzuweisen. Ich blieb höflich, wollte aber eigentlich nur zurück in die Stadt. Plötzlich fühlte ich seinen Arm um meine Hüfte und merkte entsetzt, wie er versuchte, mich ins Gebüsch zu drängen. Sein rotes, schwitzendes Gesicht näherte sich meinem und seine Lippen suchten meinen Mund. Mir wurde fast übel.

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Sonntags in stereo

Den Sonntagmorgen genieße ich eigentlich immer sehr. Ich bin ausgeschlafen, ich habe Zeit und ich kann tatsächlich mal lesen. Das ist manchmal eine Sonntagszeitung, aber auch oft einfach längere Artikel, die ich im Netz finde, sonst aber aus Zeitgründen nie schaffe, zuende zu lesen.

Es gibt nur eine Klitzekleinigkeit, über die ich mich auf sehr hohem Niveau beklagen möchte: Mein Hausherr ist ein Kommentierer und Vorleser.

Das bedeutet, dass ich mich nie in einen Artikel einlesen kann, da ich immer nur bis zum Ende eines (meistens desselben) Absatzes komme, um dann plötzlich zu hören: „Hahahaaaa! Das ist ja eine gute Idee…. die wollen Unter den Linden autofrei machen!“ – „Da will sich Rot-Rot-Grün mit einem Paukenschlag profilieren und ablenken, von den Dingen, die es wirklich zu tun gilt….!“ „Sag mal, wie findest denn du das???“

Ich tauche dann meistens verpeilt aus den Tiefen eines Portraits auf oder aus einem Text, der meine grauen Zellen fordert, weil ich gerade ENDLICH versuche zu verstehen, wer und v.a. WARUM da gerade in Syrien herumbombt und kann dann meistens nur eine Art Grunzen beitragen. Das reicht aber meistens, um den Hausherrn weiter anzustacheln. Nach 5 Minuten, wenn wir alles geklärt haben, was es zu dem Thema zu klären gab, beginne ich meinen Absatz von vorn.

Allerdings werde ich wieder am Ende des Absatzes herausgerissen, weil der Hausherr nun lautstark zum Lied im Radio mitsingt und wissen will, von wem das Lied ist. Da ich es natürlich wieder mal nicht weiß, muss es nun gegoogelt werden. Dass das dann wieder ausartet, weil wir uns uneinig sind, welche Lieder der Künstler noch gemacht hat und wir nun auf Amazon Prime auch noch nachsehen und -hören, muss ich nicht erwähnen.

Jedenfalls geht der Sonntagmorgen irgendwie immer wie im Fluge rum. 🙂

das Geld liegt auf der Straße

Ich wohne in einer Großstadt und bin in meinem Innenstadtbezirk umzingelt von Stein und Beton. Es gibt zwar Natur, aber die ist eingekästelt oder umzäunt und gehört oft anderen.

Nun habe ich dieses Jahr den Beschluss gefasst, den Sommer bei meinem Hausherrn zu verbringen. Der wohnt im Norden Berlins und hat ein Häuschen mit Garten. Das bedeutet, ich öffne morgens die Tür und laufe (noch im Pyjama – aber das weiß ja keiner) erst einmal zu meinen Hortensien, um zu sehen, ob sie über Nacht vielleicht explosionsartig 30 Zentimeter gewachsen sind und 10 neue Blüten haben. Dann werfe ich einen Blick auf den Himbeerstrauch, der etwas geknickt wirkt, da er sich unter der Last der vielen Früchte stark nach vorn neigt. Bisher sind unsere Planungen für eine Rankhilfe erst im Anfangsstadium – bis wir soweit sind, ist der Herbst wahrscheinlich da. Aber sowas will eben gut durchdacht sein!

Überhaupt ist ein Garten eine Herausforderung. Bislang beschränkte sich die Hege und Pflege des Hausherrn darauf, den Rasen (bzw. das Unkraut) zu mähen und ab und zu den Rasensprenger anzustellen. Es gab keinerlei Blühpflanzen, sondern nur seeeehr widerstandsfähige Gewächse, die wahrscheinlich auch in einer Wüste überlebt hätten. Seitdem aber mein Frauenauge regelmäßig auf diese recht große, aber eben auch recht karge Fläche fällt, treibt mich eine geheime Macht immer wieder zum „Grünen Holländer“. Ich stehe dann dort im Blütenmeer mit gezücktem Handy und googele mir Informationen zu den verlockenden grünen Freunden zusammen (Stichworte: „wächst auch auf extrem trockenen Boden“ oder „ist sehr anspruchslos“). Neulich hätte ich fast ein sehr niedliches kleines grünes Grasbüschel gekauft, weil ich es am Eingang neben dem Weg einsetzen wollte. Glücklicherweise habe ich noch rechtzeitig per Handy nachgelesen, dass man sich gut überlegen solle, wo man es hinpflanzt, da es sich wahnsinnig ausbreitet und über 2 Meter hoch wird. Wir wären wahrscheinlich irgendwann nur noch mit Machete aufs Grundstück gelangt….

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Der Regen ist schön warm

Ich verbringe meinen Sommerurlaub gerade auf einem Motorboot im holländischen Friesland. Es gibt Wasser, viel Wasser. Von unten von oben, bei Wind auch von der Seite und innen, wenn das Kondenswasser an den Scheiben herunterläuft. 

Es hat bisher jeden einzelnen Tag mindestens einmal geregnet. Ok, es gab sonnige Unterbrechungen, aber irgendwann kam er dann der Regen. Das Gute daran: die holländischen Kanäle sehen mit ihrer braunen Wasserfarbe auch nicht sehr einladend zum Baden aus, sonst wäre es irgendwie frustrierend.

Momentan liegen wir in Stavoren direkt am Iysselmeer. Es gibt einen Strand, das Meer und: einen durchdringenden Nieselregen inklusive einer steifen Brise. Nur mit eisernem Willen und mentaler Stärke werden wir wohl unseren Plan mit „2 Tagen Strand“ umsetzen können. 

Aber dafür ist der Regen schön warm.

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