Nach längerer Krankschreibung habe ich seit Freitag wieder mit der Arbeit begonnen. Noch habe ich einen innerlichen Abstand und merke genau, wie hoch getaktet der normale Arbeitsmensch sein muss, um zu bestehen. Innerhalb eines Tages bin ich schon wieder voll drin. Meetings, Meetings, E-Mails mit Bleiwüsten-Anhängen und verschwurbelte Gremienprotokolle mit irgendwo zwischen den Zeilen verborgenen sehr, sehr wichtigen Informationen, die ich erstmal politisch übersetzen muss. Irgendwer hat eine Studie veröffentlicht – die Presse will vor Redaktionsschluss eine Stellungnahme und möglichst ein Experteninterview von uns. Dann fängt die Messe morgen an, und ich möchte Journalisten dort treffen. Also Telefonate, Termine, Abstimmungen. Vor meiner Krankheit habe ich einen langen Namensartikel zugesagt, aber natürlich noch nicht geschrieben. Wann mache ich das eigentlich, wenn der Anfang Mai vorliegen soll?

Dazu das Übliche: Telefonanrufe, Fragen von Kollegen beantworten, Kollegen-Geräuschkulisse im belebten Mehrpersonenbüro irgendwie ausblenden, um längere Texte lesen und tatsächlich VERSTEHEN zu können. Und dann schnell um 18 Uhr noch einen Interviewtext schreiben, damit der morgen kommentiert, ergänzt und freigegeben vor Redaktionsschluss des Mediums vorliegt.  Keine Zeit zum Durchatmen, denn alle gehen davon aus, dass ich alles sofort auf dem Schirm habe ohne Übergabe. Das Gruselige: Ja, ich habe alles sofort wieder auf dem Schirm, obwohl mir acht Wochen fehlen.

Wie war nochmal mein Vorsatz? Irgendwas mit langsam ankommen, die ersten Wochen noch verkürzt arbeiten und Überstunden abbauen.

Haha. Sehr witzig.

Advertisements