Mit dem Lied konnte ich eigentlich nie so richtig was anfangen. Schließlich mag ich es rockig, punkig, gitarrig und nicht poppig nach Eighties klingend. Komischerweise fiel mir aber genau dieses Lied ein, als ich mich heute morgen mit eine Kanne Kaffee in den Garten gesetzt habe. Damit es perfekt ist, habe ich erst mit dem Hausherrn (ich war noch im Pyjama, aber das sah ja keiner) den Gartentisch unter den Apfelbaum gestellt. So kann ich mit meinen Füßen das noch kühle Gras spüren. Ich kann außerdem den unterpflanzten Walnussbaum betrachten, die kräftig wachsende Hortensie und meinen Steingarten bewundern. Der hat seit dem Wochenende einen neuen Mitbewohner bekommen: Türkischen Mohn.

Ich stelle hiermit fest: Ich habe Glück. So fühlt es sich an! Egal, was sonst noch da draußen auf mich wartet – in diesem Moment ist es auf jeden Fall hier das Glück. Wenn ich dann sehe, in welchem Tempo wir normalerweise durchs Leben gehen, dann kann ich diesen Frühstücksmoment umso mehr genießen. Eben weil es nicht die Normalität, das Gewohnte ist, sondern etwas Besonderes.

Irgendwie passt das Thema Garten auch gut zu meinem Leben. Ein Garten bleibt nicht wie er ist. Es ist eine ständige Entwicklung. Man kann Einfluss darauf nehmen, wie sich einzelne Pflanzen entwickeln, kann sie besonders pflegen oder vernachlässigen. Einige wachsen über sich hinaus – sogar in einem eher unfreundlichen Umfeld. Andere verkümmern. Oder es siedeln sich um die kümmerliche Pflanze plötzlich weitere Pflanzen an, die dafür sorgen, dass der Boden nicht austrocknet. Und ehe man es sich versieht, ist die einst trockene, verwahrloste Stelle ein von Grün durchsetztes Biotop, das wieder anderen Pflanzen und Tieren Lebensraum bietet.

Ein Garten ist Veränderung. Aus selbst gepflanzten kleinen Grashälmchen werden plötzlich zwei Meter hohe Büschel, die sich im Wind wiegen. Oder der einst winzige Himbeerbusch verzweigt seine Wurzeln auf geheimnisvolle Weise im Boden und reckt nun an vollkommen unerwarteten Stellen seine stacheligen „Ärmchen“ zwischen den Bodendeckern hervor. Manchmal reicht es auch, den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen, und es wird gut.

Ich kann nun entscheiden, ob ich meinen Lieblingspflanzen mit Dünger das Wachstum beschleunige oder ob ihr Tempo genau das richtige ist. Egal, was ich tue, es geht auf jeden Fall immer weiter.

Und das „ist gut so“.

 

 

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