Wäre ich in Südfrankreich, hätten mich die Franzosen wohl strafend angeblickt, weil ich in der sengenden Mittagshitze im Garten geschuftet habe. Ein Franzose hätte stattdessen ein schattiges Plätzchen in einem Bistro aufgesucht, ein Glas Weißwein bestellt und ein leckeres Mittagessen verspeist. Inklusive kleinem Aperitif vorab und Plausch mit dem Kollegen.

Ich hingegen war wie besessen von der Idee, meinen „Steingarten“ zu verbessern. D. h. schon morgens hatte ich keinen Hunger, weil ich loslegen wollte. Erster Akt: Gartencenter Holland auf dem Wilhelmsruher Damm. Unscheinbarer Eingang, aber dann legt die Berlinerin die Ohren an! Je mehr man sich nach hinten durcharbeitet, umso erstaunter war ich, was der da alles untergebracht hat. Und: Er weiß genau, wie man es machen muss. An jedem Tisch mit Pflanzen eine genaue Erklärung, wie man pflanzt, wie groß die Pflanze wird, ob man Mühe damit hat etc. Mit meiner Gartenkunst ist es ja nicht weit her. Normalerweise muss ich immer nachgoogeln, wenn ich etwas schön finde. Aber hier hat mir jemand die Arbeit abgenommen und ich kann einfach kaufen, kaufen….kaufen. Mein Wagen füllt sich. Blöd nur, dass die Steingartenpflanzen alle so klein sind. Da muss man einfach viele nehmen, damit man überhaupt was sieht. Ich habe mittlerweile auch vergessen, was ich eigentlich kaufen wollte. Egal.

An der Kasse dann kurz ein stechender Schmerz im Portemonnaie, aber dann nichts wie zurück in den Garten. Die Sonne brutzelt direkt auf meine Birne und natürlich direkt auf den Ort, wo ich in den nächsten Stunden herumhacken und -pflanzen will. Ich haue meinen Spaten in die Erde und entferne Wurzelwerk, Unkraut und finde Keramikscherben. Ob die keltisch sind? Wer weiß, wer hier früher gesiedelt hat so wie der Garten aussieht. Ach nee, da steht „made in GDR“.

Ich schleppe alte Backsteine von ganz hinten im Garten nach vorn, weil ich eine „Rasenmäher-Linie“ um meinen Steingarten bauen will. Wie meine Freundin in Altglobsow so richtig bemerkte: „Da können dann die Räder des Rasenmähers drauf fahren“. Genau. Sonst bleiben immer Stängel stehen bzw. der Mäher erzeugt einen Sandsturm und verwandelt den Mähenden in ein Erdferkel. Der Nachbar läuft am Zaun vorbei und guckt irritiert. Verstehe. Ich bin von oben bis unten mit Staub bedeckt und trage einen Bikini, der im oberen Bereich etwas verrutscht ist. Öh. Naja, wenn man so vertieft ist. Ein Ruck und alles ist wieder am Ort und ich grüße freundlich: „Heiß heute, was?!“ Der Nachbar errötet und eilt von dannen. Ich hacke weiter.

Mir fällt auf, dass ich schwanke. Könnte daran liegen, dass ich seit drei Stunden in der prallen Sonne stehe und vollkommen vergessen habe, etwas zu essen oder sogar zu trinken. Dazu sage ich nur: „Nur die Harten komm‘ in‘ Garten“ (ich möchte an dieser Stelle Babette herzlich grüßen). 🙂

Als ich dann doch mal rein gehe, um Wasser in mich hineinzuschütten, fällt mein Blick auf die Küchenuhr: Sage und schreibe 18 Uhr. Wow. Wenn Arbeit so viel Spaß machen kann, dass man alles drumherum vergisst, sollte ich vielleicht doch einmal über eine Umschulung nachdenken. Großartig. Mein Gartenwerk ist nach dem Mulchen dann aber noch nicht beendet. Ich finde außerdem, dass ich noch viel mehr Pflanzen und Steine brauche – sieht jetzt irgendwie leer aus. Ich hätte die Fläche nicht im Hitzewahn verdoppeln sollen. Also, liebe Freunde: Bitte zum nächsten Treffen Feldsteine mitbringen!

Jetzt muss ich den Rasen sprengen, die Wildblumenwiese und den vorderen Garten wässern und den Teich auffüllen.

Was für ein Tag. Nicht ein einziges Mal dumpfe Gedanken gehabt, nicht einmal geärgert und erstaunlicherweise keinen Sonnenbrand bekommen. Ob mich der Nachbar nochmal grüßt, weiß ich allerdings nicht. Macht ja nix.

Und jetzt ein Weißwein. Prost!

 

 

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