Ich habe mit dem Namen und dem Geburtsdatum meines Halbbruders Knut Michael Fischer gegoogelt. Dabei stieß ich auf eine Seite, bei der es darum ging, restaurierte Kristall-Lüster zu verkaufen. Der Text zur Geschichte des Mannes, der diese Seite betreibt enthält Details, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit darauf schließen lassen, dass es tatsächlich mein Halbbruder sein könnte.

Er schreibt, er sei 1998 in Rente gegangen. Das passt zu dem mir nun bekannten Geburtsjahr 1941. Er schreibt außerdem, er habe zuerst einen „Metallberuf“ erlernt. Mein Vater hatte früher eine Feinmechaniker-Werkstatt, und ich weiß, dass Knut dort 1962 auf jeden Fall noch gearbeitet hat. Wahrscheinlich hat er sogar seine Lehre dort absolviert. Nach seiner Rente hat er sich auf die Reproduktion eines antiken Kronleuchters mit Kristallbehang verlegt und dazu sogar Kristalle in Indien schleifen lassen.

Auf der Internetseite zu seinem Projekt stehen seine Adresse, seine Telefonnummer und sogar eine E-Mail-Adresse. Sein Eintrag gibt mir zu denken, dass er zwar 2014 zurück in seine Heimatstadt Berlin gekommen ist, aber aufgrund einer schweren Krankheit sein Kristall-Lüster-Projekt nicht fortführen konnte.

Nun weiß ich nicht, wie es weitergeht. Ich habe die Nummer angerufen und eine nicht personalisierte Ansage gehört. Eine Nachricht habe ich natürlich trotzdem aufgesprochen und gesagt, dass ich ihn gern kennenlernen würde, wenn er denn wirklich mein Halbbruder ist. Eine erklärende Mail habe ich auch verfasst.

Und nun warte ich. Ich blicke in mein Mailpostfach und hoffe, dass vielleicht das Telefon bald klingelt und er dran ist. Ich habe keine Ahnung, wie er zu mir oder zu meinem Bruder stehen könnte. Immerhin hat mein Vater sich 1960 scheiden lassen und seiner damaligen Familie den Rücken gekehrt. Allerdings war Knut da schon fast 20 Jahre alt.

Ich vermute, dass meine Nachricht nach so langer Zeit auch erst einmal verdaut sein will. Oder er ist es gar nicht.

Advertisements