Manchmal bin ich einfach nur dankbar. So wie jetzt. Ich sitze im Garten, rieche das feuchte Gras und höre statt LKW-Gerumpel unterschiedliche Vögel zwitschern. Die Nachbarn scheinen noch zu schlafen, denn es ist wirklich außergewöhnlich still.

Ich bin heute ziemlich früh aufgestanden, weil ich zu viele Gedanken im Kopf hatte. Normalerweise bin ich morgens abgelenkt, weil der Hausherr da ist, aber der ist schon gestern Abend zum Paddeln losgefahren. Seit ich weiß, dass ich mehr Familie habe, als ich dachte und davon sogar einen Halbbruder, wirft mein Gehirn immer öfter Gedanken aus, die mit „was wäre, wenn…“ beginnen.

Es sind sehr persönliche Themen natürlich, die ich im Einzelnen nicht teilen möchte. Das Grundthema dabei ist jedoch, dass ich mir wirklich, wirklich sehr wünsche, eine Nähe herzustellen, die über das übliche Familiengeburtstagsniveau hinausgeht. Und da stehe ich dann mit einem großen Fragezeichen im Kopf. Wie kann man denn 56 Jahre nachholen, in denen der Halbbruder nicht vorkam, bzw. in denen ICH für den Halbbruder nicht vorkam? Vor allem das.

Vielleicht muss ich das tun, was ich mit anderen Menschen tue, die ich eben sehr mag: Ein Portrait über ihn schreiben, falls er das überhaupt will. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass über den Prozess des „Miteinanderredens“ Nähe entsteht. Warum das so ist, kann ich nicht erklären, aber es war bisher bei allen so, die ich portraitiert habe, und es hat mich sehr berührt. Jedes Mal.

Und jetzt auf an die Müritz.

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