Ich bin keine Freundin von Reiseberichten. Wahrscheinlich, weil ich auch Urlaube nicht nach Sehenswürdigkeiten einordne, sondern nach Eindrücken. Das hilft dann anderen sicher nicht weiter, wenn ich Dinge schreibe wie:

Ich stand am Rand der steil abfallenden Küstenwand (keine Ahnung wo) und fühlte, wie die letzten Sonnenstrahlen mein Gesicht erwärmten. Mit jedem sanften Windstoß wirbelte eine Mischung verschiedenster Kräutergerüche durch die Luft. Ich sog sie mit geschlossenen Augen ein. Die alte Kapelle (keine Ahnung, wie sie heißt) streckte ihre Westseite in Richtung Sonnenuntergang als wolle sie noch einmal ihre frischgetünchten weißen Mauern für die Nacht aufladen. Ein Vater holt seine schwere Kamera hervor und weist seine schlanke, sonnengebräunte Tochter an, wie sie sich möglichst vorteilhaft vor die Linse stellen soll. Der Sonnenuntergang dient als Kulisse. Niemand nimmt sich Zeit, ihn zu betrachten. Das warme Licht ist es, das die Menschen dazu bringt, in Kameras zu grinsen oder einem Selfiestick zuzuwinken. Im goldenen Abendlicht sieht alles schöner aus. Sogar ein Zwei-Sekunden-Lächler für die Kamera geht auf dem Foto als natürlich durch.

Ich grinse zwei Möwen zu. Sie haben sich fotogerecht auf der Mauer vor der Kirche arrangiert und strahlen ein herausforderndes Desinteresse aus. Ich kann nicht anders: Ich fotografiere sie. Überhaupt fotografiere ich viele Möwen. Sie üben eine unerklärliche Anziehungskraft auf mich aus – stehen für Urlaub. In unserer Ferienanlage (keine Ahnung, wie die heißt) sind die hübschen weißen Häuser wie Scherenschnitte vor dem rotblauen Himmel. Sie haben maurisch aussehende Türmchen mit kleinen Hüten. Überall blüht es, Sträucher mit roten, rosa oder weißen Blüten (keine Ahnung, wie die heißen) wiegen sich im Abendwind. Ich laufe an ihnen vorbei, aber wenn mich ein Geruch streift, beuge ich mich kurz über eine Blüte und sauge ihn ein. Mit geschlossenen Augen.

Dann ein Glas gut gekühlter Weißwein auf der Terrasse. Jemand hat Muschelschalen auf die Brüstung gelegt. Rosafarbene, die aussehen, wie Fächer – sie erinnern mich an Jakobsmuscheln. Dann viele kleine mit geriffelter Schale, wie man sie auch an der Nordsee findet, und herzförmige Muscheln mit feinen Linien über ihren herzförmigen Rüstungen. Ich blicke in den mittlerweile schwarzen Nachthimmel und schaue dem Mond beim Scheinen zu.

Kurz ausruhen auf der Liege. Ich strecke mich aus und stelle das Glas Weißwein neben mich auf den Boden. Der Mond ist eine helle Sichel, daneben einige Sterne, die sich in verschiedenen Kombinationen zu Bildern gefügt haben (keine Ahnung, wie die heißen). Ich atme entspannt noch einmal die Abendluft ein, schließe die Augen und

werde von einem Schwall kalten Wasser getroffen.

Ich merke mir: Um 22.10 Uhr geht der Rasensprenger an. Nicht auf die Liege legen, denn dann wird man tropfend nass.

Weiß ich für morgen Bescheid.

 

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