Aus irgendeinem Grund funktioniert das Schreiben für mich besser, wenn ich nicht zu Hause am Schreibtisch sitze. Ein Grund ist sicher, dass ich eben nicht in meinem eigenen Büro schreibe, sondern im „Kinderzimmer“ der mittlerweile 18-jährigen Tochter meines Hausherrn. D.h. ich habe es nicht eingerichtet, sondern nur den Schreibtisch „zwischengemietet“, wenn sie nicht hier ist. Ich habe kein Regal, wo ich meine Ordner und Unterlagen langfristig unterbringen kann und starre gegen eine Wand mit einer Zeichnung, die ich hasse. Außerdem kommt die Katze und lenkt mich ab. Ich gebe zu: Manchmal locke ich sie auch an, weil ich mich nicht aufraffen kann….

Und daher fliehe ich gern. Ich packe meinen Laptop ein und laufe ein paar Kilometer in Richtung S-Bahn Pankow. Nur dort gibt es hier Cafés mit WLAN. Ich brauche das, denn wenn ich beim Schreiben nicht so-fort nachschlagen kann, welche Lieder im Jahr 1979 in Discotheken gespielt wurden oder wo bestimmte Cafés waren, macht mich das wahnsinnig. Ich kann einfach keine Platzhalter ertragen, wie es einige machen (später nachschlagen). Und nun habe ich als Vorwand diesen Beitrag geschrieben, obwohl ich doch schon längst weg sein wollte.

Es gibt so viele Tricks, mit denen ich versuche, mich nicht zu sehr vom „Leben“ ablenken zu lassen. Z.B. dieser Kurs bei Ingrid Kaech „Dranbleiben„. Alle zwei Wochen muss ich Sonntag bis 20.00 Uhr zehn Normseiten meines Romans abliefern, damit wir dann am Dienstagabend darauf darüber sprechen können. Das gilt auch für alle anderen Teilnehmerinnen. Beim letzten Mal habe ich die Seiten dann erst einen Tag vorher geschrieben. Aber ich habe sie geschrieben! Ha! Und das ist auch mein Motivator, um endlich zum Café loszulaufen. Denn bislang habe ich noch nichts Neues verfasst, sondern nur die Anmerkungen und Verbesserungsvorschläge vom letzten Mal eingearbeitet.

Jetzt heißt es: was passiert, nachdem die Figur diesen fünf Jahre älteren G.I. im Big Eden kennengelernt hat? Und das werde ich mir im Café ausdenken.

Nachtrag: Aus irgendeinem Grund hat mir bisher niemand das Buch „Schreiben in Cafés“ (Writing down the Bones) geschenkt, obwohl ich es schon seit zwei Jahren als Geschenkewunsch allen mitteile. Blöd, dass erstmal kein Geburtstag mehr ansteht. 😦