Ich habe mir extra heute die Erlaubnis eingeholt, dass ich diese Geschichte erzählen darf, allerdings natürlich ohne Namensnennung.

Nachbarin A ist nicht mehr ganz jung und hat Mühe, das viele Laub vor ihrem Haus mit der Hand aufzusammeln bzw. zusammenzuharken. Daher hat sie sich einen Laubbläser gekauft, den sie allerdings nur sparsam einsetzt. Eines Tages klingelt es an ihrer Tür. Als sie öffnet, steht Nachbar B. vor ihr und teilt ihr mit: „Sie haben da so einen Laubbläser. Die Dinger sind scheiße. Meine Frau hatte auch so einen, aber nicht lange. Den hat sie ruckzuck wieder abgeschafft, dafür habe ich schon gesorgt.

Nachbarin A stellt fest: „Oh, wir haben da also einen Konflikt, oder?“ Nachbar B: „Nee. Wieso?“
Nachbarin A: „Na, Sie stört doch der Laubbläser. Vielleicht können wir da eine Lösung finden.“
Nachbar B: „Wie soll die denn wohl aussehen? Ich finde die Bläser einfach total nervig. Das wollte ich Ihnen mal sagen.“
Nachbarin A: „Ja, aber vielleicht gibt es Zeiten, wo es Sie weniger stört, wenn ich ihn benutze? Da könnten wir doch mal drüber reden.“
Nachbar B: „Reden? Nee. Mir ist das viel zu viel Arbeit, diese Abstimmerei.“
Nachbarin A: „Na, was soll ich denn Ihrer Meinung nach tun? Den Laubbläser auf den Schrott werfen?“
Nachbar B: Ja, genau. Werfen Sie den weg.“
Nachbarin A: —-
Nachbar B: Stapft fluchend davon.

Da Nachbarin A einen gewissen Ärger in sich aufsteigen fühlte, hat sie überlegt, wie es ihr besser gehen würde. Sie schrieb also einen freundlichen Brief:

Lieber Herr Nachbar B,
da Sie mir eindringlich vermittelt haben, dass Sie mein Laubbläser stört, möchte ich mich mit Ihnen gern abstimmen. Ich plane am kommenden Dienstag zwischen 15 und 16 Uhr das Gebläse einzusetzen. Sollte Ihnen dies nicht gut passen, kann ich das auch gern auf Mittwoch um 10 Uhr morgens oder auf Donnerstag um 12 Uhr verschieben. Sollte keiner dieser Termine für Sie passen, müssten Sie freundlicherweise auf mich zukommen und mir einen anderen Vorschlag machen. Damit Sie möglichst wenig Arbeit haben, habe ich Ihnen Abreißzettel mit den Daten und Uhrzeiten vorbereitet. Überlegen Sie in Ruhe und werfen mir dann einfach den Zettel mit der gewünschten Zeit in den Briefkasten.

Mit freundlichen Grüßen, Nachbarin B.

Leider konnte sich der Nachbar aber wohl nicht entscheiden. Jedenfalls nehmen wir das an, weil der Brief am nächsten Tag leicht zerknüllt, aber ohne abgerissenen Wunschtermin wieder im Kasten lag. Nachbarin B hatte etwas leicht Schelmisches, als sie kichernd den Brief herauszog. Bin gespannt, wie es weitergeht.

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