Lipödem. Wer kein Medizinisch kann, weiß nichts damit anzufangen. Es ist eine Fettverteilungsstörung, die fast nur Frauen trifft und die extrem schmerzhaft sein kann. Frauen, die davon betroffen sind, haben die Krankheit meistens schon seit ihrer Jugend und mussten dann hilflos zusehen, wie alles mit den Jahren immer schlimmer wurde. Ärzte, die ihnen raten, „doch einfach mal abzunehmen“, unerträgliche, aber eben auch unerklärliche Schmerzen in den Beinen oder Armen und immer das Gefühl „ich habe versagt“. Mit hormonellen Umstellungen wie bei Schwangerschaften, aber auch in den Wechseljahren wachsen die Fettzellen schubweise und lagern Wasser ein, was für manche Frauen ein normales Leben fast unmöglich macht, da sie sich nicht mehr schmerzfrei bewegen können. Die Krankenkassen zahlen „Kompressionsstrumpfhosen“, die die Frauen 16 Stunden am Tag tragen müssen, die aber nur die Symptome mildern. Denn die Fettzellen bleiben, egal, was man isst oder wieviel Sport man treibt.

Die Fotografin Melanie Grabowski hat jetzt eine Aufklärungskampagne gestartet. Unter dem Hashtag #LipödemisteinArschloch zeigt sie Fotos von betroffenen Frauen und macht so die immer noch sehr unbekannte Krankheit sichtbar. Die Kampagne soll dazu beitragen, das Frauenbild in den Medien zu verändern. Statt Supermodels, deren eh schon schlanken Formen zusätzlich mit Photoshop perfektioniert wurden, präsentiert sie Frauen, die unter Lipödem leiden und sich trotzdem stark und schön finden.

Ich selbst habe vor ein paar Monaten ebenfalls diese Diagnose bekommen, und hatte vorher noch nie davon gehört. Wenn ich jedoch zurückdenke, hat es mich schon immer gewundert, dass ich trotz Marathonlauf und vielen, vielen Trainingskilometern immer meine dicken Beine behalten hatte. Mit den Wechseljahren bekam ich dann Schmerzen in den Knien, Beinen und Ellbogen, konnte mich nicht mehr richtig hinhocken und hatte das Gefühl, meine Beine explodieren gleich. Nach fast zwei Jahren Untersuchungen bei Orthopäden, hatte dann ein Arzt für manuelle Medizin den Erstverdacht, schickte mich aber zur Hausärztin zurück, die mich nur mitleidig anguckte. Erst durch meine eigene hartnäckige Suche bekam ich einen Termin bei einem Phlebologen ohne Überweisung. Und siehe da: Er bestätigte den Verdacht.

Was das Fazit ist, weiß ich noch nicht. Ärzte haben ja manchmal eine sehr direkte Art, mit den Patienten zu reden. So sagte der Phlebologe zu mir: „Brauchense nichts anderes versuchen, helfen tut nur eine OP. Die kostet bei Ihnen wahrscheinlich 20.000 Euro. Wenn Sie es geschickt anstellen, können Sie das von Ihrer Steuer absetzen. Haha. Und natürlich müssen Sie erst noch am Bauch abnehmen, sonst sehen Sie aus wie ein Storch im Salat. Haha.“

Haha.