Ein Name für ein Schwimmbad, den sich niemand merken kann. Übrigens auch ein Ort, der nicht leicht erreichbar ist – jedenfalls für eine unwissende Radfahrerin, die sich von Google Navi dorthin geleiten lässt. Die Adresse ist die des Europasportparks (wer oder was das sein soll, weiß ich auch nicht): Europasportpark, Paul-Heyse-Straße 26, 10407 Berlin.

Also setze ich mich vertrauensvoll aufs Rad, es nieselt, es wird langsam dunkel und ich strampele so durch Niederschönhausen, Prenzlauer Berg und schließlich Friedrichshain. Irgendwann behauptet das Navi, ich sei angekommen. Tatsächlich stehe ich hinter einer Baustelle auf einem Parkplatz vor dunklen Betonmauern und frage mich, wo ich bin. Ein schwitzender Mann erklärt mir, er käme hier nur zum Basketballspielen her (hä?) und wisse nicht, wie man zum Schwimmbad käme. „Irgendwo da hinten muss es aber sein“. Sein Finger deutet auf einen unbestimmten Punkt zwischen Betonwänden, Brachflächen und Parkhausrampen. Ich suche verzweifelt nach einem Hinweisschild. Nichts.

Schließlich schiebe ich mein Rad mäandernd zwischen zerbrochenen Flaschen auf einem kleinen Weg zwischen hässlichem Beton hindurch, um mir einen Überblick zu verschaffen. Ich steige viele kleine Treppen hinauf und stemme mein Rad rumpelt vor mir her. Jetzt stehe ich auf einer weiten Fläche mit wucherndem Unkraut, schwarzen Kieseln und habe neben mir Blick auf die S-Bahngleise. Von unten wächst ein Rohbetongebäude hinauf. Ein Pfeil deutet in die Ödnis hinter mir und behauptet keck „Schwimmhalle“. Ich staune.

Ich drehe mich um und sehe…. nichts. Kein Gebäude, nur Unkraut, Müll und Glasscherben. Ein Jogger kommt vorbei. Ich stelle mich ihm in den Weg und frage „wo ist das Schwimmbad?“. Er bleibt keuchend stehen und deutet in die Leere. „Irgendwo dazwischen ist ein Weg, auf dem man nach unten kommt. Hat mir ein Freund erzählt, aber ich war da noch nie.“

Nach unten? Ein Schwimmbad, das in die Erde versenkt wurde? Das würde erklären, weshalb ich absolut keine Spur von ihm hier sehe. Allerdings wäre es schön, wenn der Weg etwas klarer gekennzeichnet wäre. Ich gehe ein paar Meter in Richtung Pfeil, sehe aber absolut keine Möglichkeit, hinabzusteigen, geschweige denn, mit dem Rad zu fahren. Ich entschließe mich, in Richtung Landsberger Allee zu laufen. Der Haupteingang muss doch an der Hauptstraße sein – macht ja sonst keinen Sinn.

Ich folge einem Schild, auf dem Velodrom steht. Da gibt es zwar kein Wasser, aber es soll direkt neben dem Schwimmbad sein. Ernüchtert erreiche ich die Straße und stehe vor grauen Treppenstufen, die schon wieder im Nichts enden. Bestimmt sah das im Architektenentwurf super aus – diese Weite, dieses „Nachobenoffene“. Hinter mir tost Verkehr auf zweimal drei Fahrspuren, Betonklötze strahlen Neonwärme aus und die S-Bahn rüttelt an meinem Gehör. Es ist der hässlichste Ort, den ich jemals gesehen oder gehört habe. Außer vielleicht der S-Bahnhof Pankow-Heinersdorf, der kommt dem hier ziemlich nah.

Ich weiß nicht weiter. Klar, ich habe einen schlechten Orientierungssinn. Und ja, ich war hier noch nie, obwohl das doch so ein renommiertes Bauprojekt anlässlich der bescheuerten Olympiabewerbung Berlins war in den 90ern. Na und? So dürfte es sicher vielen gehen. Warum ist es immer wieder möglich, dass hässliche Orte noch hässlicher gemacht werden, indem Stadtplaner Architekten vollkommen menschenfeindliche Dinge bauen lassen, die sie dann als „zukunftsweisend“ preisen? Alles hier ist rückwärtsgewandt und menschenverachtend. Versiegelte, endlose, trostlose Betonflächen im Wettbewerb mit phantasielosen Hochhausklötzen und Schneisen für Blechlawinen und rumpelnde Züge. Das hier ist kein Lebensraum. Das ist Folter fürs Auge und fürs Gehör.

Eigentlich wollte ich nur ins Schwimmbad, aber jetzt bin ich einfach nur entsetzt, was in Berlin unter dem Vorwand der Modernität alles gebaut werden darf. Oder „durfte“, wenn man etwas optimistischer in die Zukunft blickt. Aber sicher bin ich nicht.

Letztendlich habe ich den Eingang zum Schwimmbad gefunden. Ich musste mein Fahrrad eine dunkle, müffelnde (Beton-)Treppe hinuntertragen, dann ein unterirdisches Wegesystem entlangradeln und nochmal jemand fragen, ob ich tatsächlich am Eingang der Schwimmhalle wäre, da ich nicht glauben konnte, dass diese wenig einladenden, grauen Stahltüren tatsächlich in eines der modernsten Schwimmbäder Deutschlands führen sollten. Und dann musste ich nur noch (vergeblich) nach einem Fahrradständer suchen. Ich zwängte mein Rad schließlich zwischen andere verkeilte Räder, um es an ein Metallgeländer diebstahlsicher anzuschließen. Schwimmsportler fahren halt nicht Fahrrad.

Wie ich dann im Labyrinth der riesigen Schwimmhalle ohne Brille meinen Aquafitness-Kurs gefunden habe, ist eine andere Geschichte.

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