Seit einiger Zeit befinde ich mich in einer Art Marathonlauf, der einfach kein Ende zu nehmen scheint: Ich schreibe einen Roman.

Als ich damit anfing, hatte ich noch keine Ahnung, auf was ich mich da einlasse. Ich hatte überhaupt sehr wenig Ahnung, da ich bisher nur relativ kurze Texte als Bloggerin und Pressefrau verfasst hatte. Wie immer in solchen Fällen, machte ich mich „schlau“. Ich las Ratgeber, belegte Kurse zum Plotten, zur Heldenreise, zum Finden des eigenen Schreibstils etc. pp. Ich möchte nicht sagen, dass mir das nicht weitergeholfen hat. Nö. Obwohl…Oder? Mmmh. Öh? Weiß nicht. Aber es ist etwas anderes mit mir passiert: Ich sah mich endlich als Autorin. Ich konnte endlich den Satz sagen: Ich schreibe ein Buch. 

Doch wie? Das war die große Frage. Ich versuchte anfangs, alles zu planen. Mir wurde der Ratschlag gegeben, ich möge mir doch die Handlung in Kapitel mit Überschriften einteilen und dann die Kapitel mit Inhalt füllen. Dazu gibt es dann noch Methoden, um assoziativ diese Inhalte durch sinnliche Beschreibung etc. auszugestalten. Ich habe dann mit meinem Lieblingskuli Bilder gekritzelt, die ich im Kopf hatte. Dann schrieb ich Wortketten-Ungetüme dazu. Skat-Gebüsch-Frühling-Maumau-aua-sauer-Eltern-huch-wie-kam-das-denn-jetzt-keine-Lust-auf-den-Quatsch. Der Erfolg: Ich hatte ein vollgekritzeltes DinA4-Blatt, aber noch keine Zeile geschrieben.

Ich verbrachte viele Stunden am Schreibtisch, weil ich mir Überschriften ausdenken wollte, ach nein, sollte. Leider sperrte sich in mir alles, weil ich dieser Vorgabe einfach nicht folgen wollte. Ständiges Streiten im Kopf: Nicht mit mir! Warum sollte ich? Der Kampf mit diesen Stimmen war sehr anstrengend. Das erkannte ich allerdings erst spät, nachdem viele Tees getrunken und die härteren Kollegen im Glascontainer lagen. Meine Erkenntnis: Ich bin einfach keine strukturierte Autorin.

Seit dieser erhellenden Erkenntnis schreibe ich einfach drauflos. Manchmal ist es tatsächlich so, dass ich nicht weiß, wie es weitergehen soll. Ich habe herausgefunden, dass ich in diesen Fällen einfach irgendeinen Satz schreiben muss. Wirklich irgendeinen, ohne mir groß Gedanken zu machen. Mein Kopf legt grundsätzlich etwas in meine Schreibfinger, mit dem ich weiterarbeiten kann. Das ist faszinierend manchmal. Nicht wenige Kapitel und Szenen nahmen so ihren Anfang und ich war überrascht, wo ich dann landete. Inzwischen mache ich das ja schon eine Weile so und verstehe, dass ich nicht nur beim Schreiben am Buch arbeite. Im Grunde ist es immer dabei, egal, was ich tue. Ich nehme meine Umwelt anders wahr, merke mir Dinge, weil ich sie verwenden möchte, weil sie eine Erinnerung wieder aktiviert haben. Nicht, dass ich dann immer schon wüsste, wo und wie, aber sie lauern im Hinterkopf und springen im richtigen Moment hervor. Meistens. Ein gewisses Grundvertrauen sollte man wohl mitbringen. Ich habe gelernt: Du bist immer auf Ideen-Empfang, egal, was du tust.

Ein großes Problem, das ich am Anfang hatte, war der wohl jedem bekannte „innere Kritiker“. Ich las Texte anderer Autoren und war hin und weg. Diese Wortspielereien, diese tollen Bilder, dieser Humor, dieser spannungsgeladene Plot. Wow! Wahnsinn! Dann kehrte ich an den Schreibtisch zurück und verwandelte mich in ein verhutzeltes, gekrümmtes Ego, das kaum noch die Kraft aufbrachte, Dreiwortsätze zu formulieren. Denn sie waren so scheiße. So unglaublich schlecht. Vollkommen langweilig und nichtssagend. Absolut arm, beliebig und leer. Ich ertappte mich dabei, wie ich aus Geschenkband kleine Henkersschlingen bastelte und meinen Hocker plötzlich mit anderen Augen sah. Doch dann gewann mein innerer Trotz, oder so ähnlich. Egal, denn er rettete mich trotz-dem (ha!). Er sagte mir ganz klar: Schreib das einfach auf. Schreib! So wie du es für richtig hältst, so wie du es möchtest. Schreib es runter! Wenn es dann da ist, kannst du es immer noch verbessern. Genau. So einfach war das. Gelernt: Erst schreiben, später optimieren. 

Mitten im Roman habe ich herausgefunden, dass mein Kopf in Szenen tickt. Nicht Kapitel. Szenen sind freier – zumindest für mich. Kapitel klingt nach römischen Ziffern, in Stein gemeißelt. Eine Szene ist frei. Sie entwickelt sich – mal so, mal so. Kann man vorher nicht genau sagen. Das gefällt mir. Und wenn ich so vor mich hinlebe, springt mich immer mal wieder eine Szene an und mault rum. „Du beachtest mich einfach nicht, wääh, die anderen sind alle aufgeschrieben, nur mich ignorierst du. Heul! jammer.“ Ja und bevor sie mir weiter eine Szene macht, notier ich sie lieber in meinem Scrivener-Autorenprogramm. Ihre Zeit kommt. Dann streich ich sie von der Liste und erwecke sie zum Leben im Text. Sehr hilfreich das. 

So, nun ist dieser Text zu Ende und mir fällt gerade ein, dass ich eigentlich über die Recherche schreiben wollte. Thema: Wie ich einmal bei der Jungen Union in Reinickendorf einen Vortrag über den französischen Militärzug gehört habe.

Doch die Zeit war offenbar dafür nicht reif. Schade. Aber kommt sicher noch. Die Szene habe ich schon im Kopf.