Manchmal, wenn ich auf dem Heimweg bin, kann ich nur denken „KatzestreichelnKatzestreichelnKatzestreicheln“. Jeder Tritt in die Fahrradpedale eine Silbe. Jedes Klatschen von irgendwelchen Niederschlägen auf die Brillengläser eine Silbe.  Jede rote Ampel das Wort „Katzenkacke“. Dann die Fahrt durch die Linienstraße. Es ist eine Fahrradstraße, d. h. man kann da so richtig durchbrettern. Allerdings nur so lange, bis jemand aus einer Parklücke ausschert oder bis ein unbeleuchtetes Rad mit quietschendem Pedalentritt vor einem auftaucht und vor sich hin eiert. Überholen ist nicht, denn der Radgegenverkehr um die Zeit ist ähnlich wie auf einer Schnellstraße. Also trete ich nur einmal alle zehn Sekunden und versuche dem Rostquietscherad nicht ins Schutzblech zu fahren – Katzenjammer.

Zwischendurch dunkle Fußgänger, die zwischen Autos herausspringen und vergeblich versuchen, die drei Meter über die Straße zu kommen – Arschkatzenkarte. Erst an der von mir sehr geliebten kreuzenden Rosenthaler Straße, an der ein riesiges Stoppschild warnt, wird der Radfluss unterbrochen. Ineinander verkeilt warten jetzt zehn Radfahrer und sehen aus wie beim Tennisturnier. Links frei, rechts Motorrad, links LKW, rechts frei, links Lieferwagen, Taxi, Tram, rechts…. Ich steige ab und renne links-rechts-linksguckend mein Rad wie ein Schutzschild vor mir herschiebend zwischen Autos rolligdrollig rüber. Von hinten folgt ein blecherner Pulk von Radfahrern und rast links-rechts an mir vorbei. Die schöne Linienstraße ist ab jetzt wieder Fahrradstraße, der Schnellste, Rücksichtsloseste gewinnt. Ich lecke meine Wunden. KatzestreichelnKatzestreicheln.

Nach einem irren Tritt über Kopfstein und haarscharf neben Tramgleisen balancierend bin ich dann auf der Schönauser Allee und bekomme schon fast Heimatgefühle. Hier sind die Radwege sehr schmal und führen über Gehwege. E-Roller liegen tot herum, Schultern, Füße und rostige Lenker von abgestellten Rädern ragen in den Weg hinein. Oh, eine Sackkarre, oh ein Tourist – so sorry. Ich schlingere und jaule. Auf den letzten Kilometern setzt dann oft irgendein Wetter ein. Es lohnt nicht, die klettige Regenschürze rauszufummeln, und „es hört sowieso bestimmt gleich wieder auf“. Tut es leider nie. Durchgefroren, tropfend und mit nassen Pfoten fummele ich minutenlang am Gartentor herum, bis der Schlüssel das Schloss findet. Aufdrücken reicht nicht. Ich hebe, trete und schiebe gleichzeitig. Fahrrad rein, mit einem Knie festhalten, Tor wieder zudrücken, Rotz hochziehend zur Tür schleppen, fummeln, schließen, rein, Schuhe aus, Tasche hinwerfen, Mantel runter. Licht. Hirn aus.

Katze! Katze! Katze! Ich brauche dich. Ganz, ganz dringend. Hebe gestreiftes Fell hoch. Reibe meine nasse Nase an feuchter Katzennase. Denke kurz „Cat-Corona“. Mist, Ohrwurm kommt und bringt „my Sharona“ mit. Wie weich es ist. Und wie es guckt! Miau. Miau. Miau. Erzähle Fell von Tag. Fell klagt. Ich entschuldige mich. Habe es noch nicht gefüttert. Sage „Tigerchen, gleich ist es soweit“, sage: „du musst aber erst noch deine Kuschelpflichten erfüllen“. Wir kuscheln. Fell guckt ungeduldig, will runter. Setze es ab und öffne Dose. Fell frisst. Sage: „Aber du weißt schon, dass wir danach auf dem Sofa verabredet sind!“ Fell schmatzt, aber trägt sich Termin ein. Abend wird endlich schön. Katzenschön.