Es gibt ein Thema, das mich im Zusammenhang mit Corona beschäftigt. Gleichzeitig wirkt es fast unwichtig, wenn man hört, was in der Welt rund um das Virus passiert. Mein Thema hat mit Social Distancing zu tun und damit, dass alle Facebook-, Twitter-, Instragram- und sonstigen Kanäle voll sind mit Berichten von Menschen, die unter dem Distanzhalten sehr leiden. Ich meine nicht die Bedürftigen, die besonders betroffen sind, weil nun das öffentliche Interesse noch geringer geworden ist als sonst. Das ist wichtig, aber das meine ich gerade nicht.

Ich meine die Menschen, die im Home Office sind und/oder sich nicht mehr ins Kulturleben Berlins (oder anderswo) werfen können. Keine Kneipen, Bars, Restaurants, Konzerte mehr, keine Partys, keine Treffen in großer Runde, keine Meetings von Angesicht zu Angesicht, keine Kaffeegespräche am Espressoautomaten, keine gemeinsame Raucherpause. Wenn ich die Posts und Berichte so lese, hört es sich an, als sei das Zuhausebleiben die Höchststrafe. Keine Menschen mehr zu treffen das Ende und der Verlust des direkten kollegialen Austauschs unerträglich. Das geht alles nur noch per Chat, E-Mail, Skype und oft nur zu verabredeten Zeiten, nicht einfach spontan zwischendurch. Sie können nicht richtig arbeiten, brauchen den Austausch.

Und was soll ich sagen: Ich brauche das nicht – jedenfalls nicht so viel und nicht so oft. Für mich ist das andere das Anstrengende: Viele Menschen, große Konzerte, Gruppen. Ich arbeite besser, wenn ich allein bin, wenn ich hochkonzentriert über etwas nachdenken kann, wenn ich nicht gezwungen bin, mich gegen Viel- und Lautredner durchzusetzen. Wenn ich nachdenken und dann meine Gedanken schriftlich ausdrücken kann. Deshalb bin ich ja Autorin und eben manchmal auch Redakteurin. Mich strengt ein normaler Büroalltag an. Ich kann all die Dinge, die für andere so wichtig sind. Ich kann mit Teams arbeiten, ich kann mir Gehör verschaffen und ja, ich kann auch vor Gruppen reden und es macht mir keine Angst. Ich lache gern, mag Menschen, arbeite auch gern mit ihnen. Doch nicht ohne Alleinsein-Pausen oder Rückzugsmöglichkeiten. Und am liebsten mag ich kleine Gruppen und das Zwiegespräch, statt Veranstaltungen zur „Teambildung“ oder Networking mit Smalltalk.

Seit ich im Homeoffice arbeite, merke ich wie gut es mir tut, dass es still ist um mich herum. Dass da nur die Katze ist und mein Rechner. Dass ich zwar Online Meetings habe, aber danach kann ich arbeiten. Für mich. Ich kann mir einen Kaffee machen, kurz nach draußen treten, in den Himmel sehen. Allein. Still. Ich kann dann denken. Es ist die Stille, die meine Batterien auflädt. Es ist die Ruhe, die mich lebendig macht. Ich verwandele mich wieder in mich. Ich darf das sein, was ich nun einmal bin: Introvertiert.

Und wenn ich über etwas meckern möchte, dann wäre es eigentlich nur, dass der Bildschirm des Homeoffice-Laptops zu klein ist. Aber damit kann ich leben.

Bleibt gesund.